Wohngemeinschaft
Arbeit für Wohnraum
München und Frankfurt sind Uni-Städte, aber Studentenwohnungen sind hier mehr als knapp. Doch Not macht erfinderisch, seit dem Wintersemester 1996/97 gibt es das neue Projekt „Wohnen gegen Hilfe”. Dabei stellen ältere Menschen den Studenten nicht genutzten Wohnraum zur Verfügung und helfen somit, die Not auf dem Wohnungsmarkt zu mindern.
Zahlen müssen die Studenten dafür nichts bzw. nur eine Nebenkostenbeteiligung. Dafür helfen Sie den älteren Leuten beim täglichen Leben: Einkaufen, Rasen mähen, sauber machen, Schnee räumen und einiges mehr. Pro Quadratmeter Wohnfläche ist eine Arbeitsstunde zu leisten, so die Faustregel.
Gisela Frangenheim vom Seniorentreff München-Neuhausen, der Anlaufstelle für „Wohnen gegen Hilfe” sagt, dass das Programm ein großer Erfolg sei. Bereits 170 Wohnverhältnisse wurden seit Beginn vermittelt. Es sind zwar erst 25-30 Zimmer pro Jahr, die Idee spricht sich jedoch langsam herum. Vielen alleinlebenden älteren Menschen ist nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod des Partners die Wohnung viel zu groß geworden. Einen Umzug scheuen sie jedoch, sie fürchten damit das soziale Umfeld zu verlieren. Viele sind froh, wieder andere Menschen im Haus zu haben.
In vielen größeren Universitätsstädten gibt es bereits solche Wohngemeinschaften oder sie sind gerade im Aufbau, so auch in Frankfurt am Main, Breisgau, Münster, Köln, Freiburg usw. In Frankfurt zum Beispiel werden die Wohngemeinschaften vom Institut für Sozialarbeit organisiert, hier wird mit den Mietern und Vermietern gesprochen und versucht herauszufinden, welche künftigen Partner zusammenpassen.
Für viele der älteren Vermieter ist die Kommunikation neben der Hilfe am wichtigsten. Oft blühend die älteren Menschen regelrecht wieder auf, wenn sie endlich wieder regelmäßig jemanden zum Erzählen und Zuhören haben. Oft entstehen daraus sogar länger dauernde Freundschaften.
Autor: Heiko Erxleben