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Welttoilettentag



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Welttoilettentag

Am 19. November ist Welttoilettentag. Auf den ersten Blick wirkt das etwas skurril, hat aber durchaus einen ernsthaften Hintergrund. Denn im Jahre 2001 hat die Welttoilettenorganisation (WTO) mit Sitz in Singapur, unterstützt von den vereinten Nationen damit zum ersten Mal auf das Fehlen hygienischer Sanitäranlagen in der Welt aufmerksam gemacht.

5000 Kinder in Afrika sterben täglich an den Folgen mangelnder Hygiene. Rund 2,5 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu einer sanitären Einrichtung und jährlich sterben mehr als 15 Millionen Menschen an Krankheiten wie Cholera und Gelbsucht. Die WTO verfolgt das Ziel, die Verbreitung von hygienischen Anlagen in Entwicklungsländern und auch in den Industrieländern zu fördern.

Das stille Örtchen ist ein delikates Thema, über das man nicht bzw. nur hinter vorgehaltener Hand redet. Man “geht mal schnell für kleine Jungs”, “muss kurz austreten” oder “ein dringendes Geschäft erledigen”.

Um das Problem weltweit anzugehen, muss sich aber auch in Deutschland das Verhältnis zum Thema Toilette ändern, so Thilo Panzerbieter, der Geschäftsführer der German Toilet Organization in Berlin. Er will mit seinem gemeinnützigen Verein dafür sorgen, dass das Klo aus der Schmuddelecke herauskommt. Der Bauingenieur glaubt, dass der verklemmte Umgang mit dem Thema ein Grund dafür ist, dass die Menschen sich nicht für die Hygiene anderer interessieren. “Wenn es den Eltern in Deutschland egal ist, wie es in der Schultoilette ihrer Kinder aussieht”, sagt Panzerbieter, “dann ist es ihnen auch egal, wie die Toiletten am anderen Ende der Welt aussehen.”

Wer denkt, dass er mit täglichen Säuberungen und scharfen Reinigern seiner heimischen Toilette  gutes tut, der irrt. Denn zuviel Toilettenreinigung ist übertriebener Quatsch. Der Freiburger Hygiene-Experte Franz Daschner sagt: „Von öffentlichen und den privaten Toiletten in den Wohnungen geht in Deutschland keine Infektionsgefahr aus. Man brauche zum Putzen keine speziellen antibakteriellen Toilettenreiniger. Im Vergleich zu vielen anderen europäischen und vor allem osteuropäischen Ländern sei die Hygiene auf deutschen Toiletten gut”. I

n den letzten 20 Jahren gab es keine Anzeichen oder wissenschaftliche Studien, die gezeigt hätten dass eine Toilette jemals Ausgangspunkt für eine größere Reihe von Infektionen gewesen wäre. Scharfe antibakterielle Reiniger sind mehr als überflüssig, diese umweltschädlichen Mittel verunreinigen nur das Abwasser, in dem dann die Bakterien abgetötet werden. Zum Reinigen der Toilette reichen eine Bürste und etwas umweltfreundliches Scheuerpulver vollkommen aus. Eine Infektionsgefahr besteht nur dann, wenn man sich nach dem Toilettengang nicht die Hände wäscht und die Keime z.B. auf Nahrungsmittel übertragen werden.

Mangelnde Hygiene ist auch einer der Gründe, die Menschen in Armut hält. Sind die Menschen ständig krank, können sie weder zur Schule noch zur Arbeit gehen, das kann unter Umständen eine ganze Gesellschaft lahm legen. Doch 2,5 Milliarden Toiletten oder Plastikklos zu bauen und dorthin zu transportieren, wo sie gebraucht werden, ist nicht gerade eine leichte Aufgabe. Da wäre es sinnvoller, die lokalen Gegebenheiten zu kennen, vor Ort vorkommenden Materialien zu nutzen, die dort wohnenden Menschen mit einzubeziehen und adäquate Lösungen zu finden.

Ein solches Konzept bietet die Hilfsorganisation Oxfam an. Sie liefert leicht aufzubauende Toiletten in die Flüchtlingslager der Krisengebiete. Aber wer will schon in Toiletten investieren? Keiner. Deshalb wurde das Projekt “Unverpackt” ins Leben gerufen. Auf einer Internetseite werden Spenden zum Verschenken angeboten, etwa zu Weihnachten: von Ziegen über Klassenzimmer bis hin zur Latrine. Das Klo aus Holzbalken und einer Plastikplane gibt es für 36 Euro, es landet jedoch nicht beim Beschenkten, der bekommt nur eine Karte. Die Latrine wird direkt im Krisengebiet aufgestellt. Wer zu Weihnachten ein Klo geschenkt bekommt, denkt garantiert darüber nach und unterhält sich auch mit anderen Mitmenschen darüber. Vielleicht gelingt es ja so, dieses brisante Thema etwas mehr ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

Autor: Heiko Erxleben

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Veröffentlicht in Allgemein.

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