Umweltsünder Immobilie
Umweltsünder Immobilie
Allein in Deutschland ist der Immobiliensektor für rund 40 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes, für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und für rund 30 Prozent des Rohstoffverbrauchs verantwortlich. Laut Angaben der deutschen Energieagentur (dena) sind in Deutschland 4 von 5 Wohnhäuser älter als 20 Jahre. Sie entsprechen keinesfalls mehr den heutigen energetischen Anforderungen und verbrauchen im Durchschnitt viermal soviel Energie wie Neubauten.
Besonders vor 1984 erbaute Häuser hätten bei konsequenter energetischer Modernisierung ein Energiesparpotential von bis zu 80 Prozent! Das Programm “Energiesparberatung vor Ort” des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert eine Energieberatung mit einem Teil der anfallenden Beratungskosten. Eine umfangreiche Beratung über ein schlüssiges Gesamtkonzept ist nötig, da einzeln modernisierte Stückwerke keine spürbare Verbesserung zeigen würden. Sämtliche Modernisierungsmaßnahmen, wie z.B. Heizung, erneuerbare Energien, Warmwasseraufbereitung, Fenster, Gebäudehülle, Dach, Fassade, etc., müssen in ihrer Gesamtheit gebündelt und betrachtet werden. Es ist z.B. der alleinige Einbau neuer Fenster wenig sinnvoll, wenn die Fassade und das Dach Wärmebrücken aufweisen. Die Förderung dieser Energieberatung läuft jedoch nur noch bis zum 01.01.2009! Auf Anfrage hin empfehlen wir Ihnen gerne ein beratendes Unternehmen in Ihrer Nähe.
Der Energieausweis für Wohngebäude mit einem Baujahr bis 1965 wurde ab dem 01.07.2008 zur gesetzlichen Pflicht, ab dem 01.01.2009 auch für später errichtete Wohngebäude. Weiterhin sind Hauseigentümer seit dem 31.12.2006 gesetzlich dazu verpflichtet, die Nachrüstverpflichtungen der Energieeinsparverordnung für Gebäude (EnEV) umzusetzen, siehe: hier.
Mit der Einhaltung bzw. Unterschreitung der vorgegebenen Werte der Energieeinsparverordnung werden nicht nur langfristig niedrige Energiekosten für Hauseigentümer und Mieter gesichert sondern es steigt auch der Wert der Immobilie. Effiziente Haustechnik, handwerklich sorgfältige Planung und Umsetzung und die Verwendung spezifisch geeigneter Materialien schaffen Energieeffizienz, machen unabhängiger gegenüber der Preisentwicklungen von Strom, Gas und Öl, bringen Steuervorteile und verringern nachhaltig die Betriebs- und Instandhaltungskosten. Geringere Nebenkosten sind weiterhin ein großer Pluspunkt bei der Vermietung von Häusern und Wohnungen, im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Ein energetisch sinnvoll modernisiertes Haus bietet ein angenehmes Wohnklima einen hohen Wohnkomfort.
Sicherlich ist es nicht möglich, eine komplette Gebäudeinstandsetzung ist über die anschließende Energieeinsparung zu bezahlen. Wer so denkt und auf eine solche Möglichkeit wartet, liegt falsch. Denn Sie würden ja auch nicht auf die Idee kommen, die Reparatur Ihres Autos über den reduzierten Kraftstoffverbrauch eines neuen Motors zu refinanzieren? Beides dient letztlich den anschließenden geringeren Betriebskosten und dem Werterhalt. Mit folgenden Maßnahmen können Sie aus Ihrem Altbau ein sparsames Niedrigenergiehaus machen:
Dach
Hier geht besonders viel Wärme / Energie verloren. Die Dämmung wird meist zwischen den Dachsparren eingebracht, hier dürfte im Normalfall Platz für Dämmstärken von 180 bis 240 mm sein, ausreichend für den Standart eines Niedrigenergiehauses. Wer mehr erreichen will (z.B. Nullenergiehaus, Passivhaus) und ohne Heizung auskommen möchte, der muss mindestens 300 mm Dämmstärke einbringen. Dazu sind jedoch meist die Sparrenhöhen zu gering. Es muss zusätzlich auf oder unter den Dachsparren gedämmt werden oder die Dachsparren müssen auf die gewünschte Höhe „aufgedoppelt” werden. Für die zweite Variante sollten Sie sich jedoch vorher bei einem Statiker bzw. Architekten erkundigen. Als sogenannte Aufsparrendämmung eignen sich Holzfaserplatten, andere feste Dämmplatten oder Systeme aus Polystyrol. Wird zwischen und auf bzw. unter den Sparren gedämmt werden Wärmebrücken (z.B. Dachsparren, bzw. der Übergang Dämmung zum Sparren) verhindert. Die Dampfsperre oder auch Dampfbremse, eine luftdicht verklebte innere Folie, muss absolut exakt verarbeitet sein. Kleinste Lücken oder Undichtheiten bedeuten den Verlust von teuer aufgeheizter Raumluft und zusätzlich wird dadurch die in der Raumluft gespeicherte Feuchtigkeit in die Dämmung transportiert, wo sie sich beim abkühlen als Wasser niederschlägt. Feuchte Dämmung verliert Ihre Dämmwirkung! Von außen werden Dach und Dämmung durch eine Unterspannbahn gegen feuchte Windstöße und Flugschnee geschützt. Die Unterspannbahn sollte wasserdampfdurchlässig / diffusionsoffen sein, damit eventuell vorhandene Feuchtigkeit aus Balken und Dämmung nach außen entweichen kann.
Außenwände
Die Dämmung der Gebäudehülle sollte wenn möglich immer von außen erfolgen, eine Dämmung an der Innenseite der Außenwände birgt immer erhöhte Risiken. Am häufigsten werden Fassaden mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) aus Polystyrol, Polyurethan oder Mineralwolle gedämmt oder mit einer Klinker-Vorsatzschale mit oder ohne Dämmkern. Bei der Klinkerfassade besteht die Dämmung aus Mineralwollplatten. In den letzten Jahren drängen immer mehr alternative Dämmstoffe auf den Markt. So können z.B. auch Zelluloseflocken als Dämmmaterial in eine entsprechend vorbereitete Unterkonstruktion eingeblasen werden. Wärmebrücken sind auf jeden Fall zu vermeiden. Damit sind nicht nur eventuelle kleinen Schlitze zwischen den einzelnen Dämmplatten oder unsaubere Anarbeitungen in den Randbereichen gemeint sondern auch Betonplatten, Betondecken oder andere Bauteile, welche durch die Außenwände nach draußen führen. Die meisten Bauherren dämmen mit 80 bis 100 mm Dämmschichtdicken, für ein Niedrigenergiehaus sind jedoch Schichtdicken ab 120 mm erforderlich.
Fenster und Außentüren
Veraltete ISO-Glas-Fenster oder gar Einfachverglasungen sind längst überholt, den besten Wärmeschutz bieten heute Fenstersysteme mit hochwärmedämmenden Isolierglasscheiben und durchdachten gut isolierenden Profilsystemen. Vereinzelt werden nur die Scheiben in den Fenstern getauscht, meist jedoch lohnt es sich, das ganze Fenster mit Rahmen zu erneuern. Denn wie beim gesamten Gebäude, so ist es auch bei den Fenstern: die Gesamtheit aller Komponenten ist ausschlaggebend. Nur ein guter Fensterrahmen, ein guter Fensterflügel und eine gute Fensterscheibe ergeben zusammen ein gutes Fenster. Gute neue Wärmedämmfenster haben eine dreimal bessere Wärmeisolation zu bieten, als ein 15 Jahre altes Fenster. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die richtige Montage der neuen Fenster und Außentüren. Hier sind spezielle PU-Schäume und Dichtbänder nötig, um auch in den Randbereichen eine zuverlässige Dämmung und Luftdichtheit zu gewährleisten. Ein U-Wert von 1,1 oder 1,0 für das Glas ist heutzutage ein üblicher Standart. Fenster für ein Nullenergiehaus sind Passivhausfenster mit drei Scheiben und einem U-Wert von 0,8. Dort wo es baulich möglich ist sollte darauf geachtet werden, dass die Fenster in Südrichtung größer als die Fenster in Nordrichtung ausfallen. Damit wird durch den Sonneneintrag an der Südseite mehr Energie ins Haus gelassen und die Wärmeverluste an der Nordseite werden durch kleine Fenster verringert. Rollläden (z.B. mit ausgeschäumten Aluminium-Lamellen) bringen einen Zusätzlichen Schutz, im Winter einen Schutz vor Kälte und im Sommer einen Hitzeschutz.
Keller
Bei einem Altbau ist diese Dämmung sehr teuer, denn die Kellerwände müssen zunächst einmal freigelegt werden. Hierfür sind oft erhebliche Erdbewegungen nötig, eventuell müssen sogar Pflasterflächen aufgenommen werden. Die so zugänglichen Wände werden zuerst mit einer Bitumendickbeschichtung gegen Feuchtigkeit isoliert und darauf werden dann die Dämmplatten (Hartschaumplatten) geklebt. Wird der Keller nicht beheizt, so kann die Kellerdecke bei genügender Raumhöhe einfach von unten gedämmt werden. Hier sind 60 bis 100 mm ausreichend.
Weitere Möglichkeiten sind Solaranlagen zur Heizungsunterstützung, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und Photovoltaikanlagen. Durch die elektronische Vernetzung der einzelnen elektrischen Komponenten wie z.B. Heiztemperaturen, Pumpenlaufzeiten, Innen- und Außentemperatur, Rollladensteuerung, Tageszeit, Sonneneinstrahlung, Luftströme etc. können noch optimalere Ergebnisse erzielt werden.
Bei der Wahl der Dämmstoffe bzw. ob überhaupt gedämmt werden sollte, scheiden sich jedoch die Meinungen der Gelehrten. Der Architekt Herr Dipl.-Ing. Konrad Fischer (konrad-fischer-info.de) und einige andere Befürworter seiner Fakten und Theorien haben zu den aufwendigen und teuren Dämmmaßnahmen, zu hochisolierenden dichten Fenstern, zu Dampfsperrfolien usw. Ihre Bedenken! In Versuchsreihen wurde zum Teil über Jahre hinweg nachgewiesen, dass bei gleichen Häusern am gleichen Ort ein Haus mit hochwertiger und sehr teurer Wärmedämmung die gleich hohen Energiekosten hatte wie ein direkt daneben stehendes Haus ohne diese teuren Dämmmaßnahmen.
Sollten die teuren Dämmstoffe wirklich nur Propaganda der Chemieindustrie sein, um kräftig Kasse zu machen? Beim Thema Ökostrom oder beim Verbrennungsmotor ist ja ähnliches zu beobachten. In seinem Buch „Altbauten kostengünstig sanieren”, erschienen im GD-Verlag, schreibt Herr Dipl.-Ing. K. Fischer ausführlich über dieses brisante Thema.
Haben Sie bereits Erfahrungen auf diesen Gebieten sammeln können? Dämmen oder nicht? Schreiben Sie doch hier einen kurzen Text dazu.
Autor: Heiko Erxleben
Tags: Häuser, Vermietung, Wohnungen

