Stadtumbau
Der Rückbau von Wohnungen
Das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost” beinhaltet nicht nur Aufwertungsmaßnahmen der Städte, sondern auch den Rückbau von leerstehenden bzw. fast leerstehenden Wohngebäuden. Durch den Stadtumbau wird versucht, dem einhergehenden Funktionsverlust auf der Grundlage eines städtebaulichen Entwicklungskonzepts entgegen zu wirken.
Von 2002 bis 2009 sollen für die dafür bereitgestellten rund 2,5 Milliarden Euro ca. 300.000 bis 400.000 Wohnungen vom Markt genommen werden. Einzelne Landesregierungen gehen jedoch davon aus, dass dieses noch nicht ausreichen wird und in den nächsten Jahren weitere zusätzliche Wohnungen dem Abriss folgen werden. Die für Aufwertungs- und Abrissmaßnahmen bereitgestellten Fördermittel wurden in den zurückliegenden Jahren zum größten Teil für Rückbaumaßnahmen verwendet. Im Jahre 2004 wurden z.B. in Sachsen-Anhalt rund 93% der Fördermittel für den Rückbau eingesetzt, in Sachsen waren es rund 80%.
Teilweise ist es auch notwendig, noch bewohnte Wohnungen einer sogenannten „Freimachung” zu unterziehen, dass bedeutet, die Mieter müssen ausziehen. Doch wie ist eine „Vernichtung” von Wohnraum in solch einem Ausmaß der Bevölkerung vermittelbar? Welche Wünsche und Vorstellungen haben die vom Abriss ihres Wohnhauses betroffenen Mieter? Ein ungeplanter unfreiwilliger Umzug ist für viele Mieter mit erheblichen Belastungen verbunden, wie u.a. nicht kalkulierte finanzielle Aufwendungen und auch unüberschaubare physische und psychische Anstrengungen. Hinzu kommt, vor allem bei älteren Bewohnern, die Ungewissheit des Einlebens am neuen Wohnort und die Angst vor dem Verlassen der vertrauten Umgebung.
In vielen Städten wurden hier grobe Fehler begangen, indem man die Mieter nicht genügend bzw. nicht früh genug über den geplanten Stadtumbau informierte. Die Bewohner fühlten sich vernachlässigt, überrumpelt und nicht mit in die Planungen einbezogen. Es ist jedoch erwiesen, dass sich Qualität und Nachhaltigkeit im Stadtumbau nur dann erreichen lassen, wenn die Bewohner bei der Planung und Umsetzung wichtiger Vorhaben von Anfang an mit eingebunden werden. Die Bürgermitwirkung ist ein zentrales, wenngleich noch nicht selbstverständliches Instrument der Stadtentwicklung und Stadtplanung, das vor dem Hintergrund sich wandelnder gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Probleme können rechtzeitig erkannt und somit langwierige Konflikte vermieden werden. Wegen der oft unterschiedlichen Interessenlagen kommt es jedoch häufig nicht zum erhofften Kompromiss, sondern lediglich zu einem Minimalkonsens. Deswegen erfolgt in vielen Städten nicht selten statt der Bürgermitwirkung nur eine Bürgerinformation.
Die Bürgermitwirkung im Stadtumbau ist ein notwendiger und dauerhafter Qualifizierungsprozess für alle Beteiligten und beinhaltet drei Stufen: die Information, die Beteiligung und die Kooperation. Um den Bewohnern die Angst vor einer Umsiedlung zu nehmen, sind diverse Informationsveranstaltungen, Bürgerforen, Pressemitteilungen, Öffentlichkeitsarbeit, Stadtteilkonferenzen und die formale Beteiligung der Bürger durch Offenlegung aller Konzeptentwürfe zum Stadtumbau notwendig. Alle diese Maßnahmen stellen einen hohen Aufwand dar, sind aber für einen nachhaltigen Projekterfolg unverzichtbar. Sehr wichtig ist auch ein hochwertiges Umzugsmanagement, z.B. die persönliche Betreuung während des Umzuges, um die Bürger beim unfreiwilligen Umzug zu unterstützen. Bei den Mietern immer wieder folgende Fragen im Vordergrund: Wie werde ich den kommenden Umzug finanzieren? Wer übernimmt die ungeplanten Umzugskosten? Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung? Warum erhöht sich meine Miete? Warum gibt es Fördermittel für den Abriss und nicht für den Umzug?
In den letzten Jahren des Städteumbaus ist deutlich geworden, dass ein Abriss der Häuser ein reines Thema zwischen Vermieter und Mieter darstellt. Sobald sich die Politik versucht, in diesem Prozess zu profilieren, entsteht sehr schnell Frust bei allen Beteiligten, denn gerade vor dem Hintergrund sinkender Wahlbeteiligung und Politikverdrossenheit in vielen ostdeutschen Städten seien Beteiligungsprozesse notwendig.
Nicht nur im Osten Deutschlands, sondern auch Städte in Westdeutschland, vor allem im Norden, sind ebenfalls zunehmend durch die negative demographische Entwicklungen und den wirtschaftlichen Strukturwandel betroffen. Hier zeigen sich in einigen Städten ebenfalls negative Entwicklungen in Form von leerstehenden Gebäuden und Brachflächen. Daraufhin wurde vom Bund im Rahmen des Forschungsprogramms “Experimenteller Wohnungs- und Städtebau” (ExWoSt) das Forschungsvorhaben “Stadtumbau West” ins Leben gerufen. Mit einer finanziellen Unterstützung der Stadtumbaustrategien von 16 Pilotstädten soll herausgefunden werden, wie den spezifischen Problemen in den westdeutschen Städten begegnet werden kann.
Egal ob Ost oder West. Wichtig ist es, frühzeitig Kompromisse zu finden, durch intensive Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Einbeziehung von Bewohnern mit Ihren spezifischen Bedürfnissen muss selbstverständlich werden, da es sich beim Stadtumbau um einen tiefgreifenden und langfristigen Prozess handelt. Der Anspruch an den Stadtumbau geht weit über eine rein quantitative Bereinigung des Wohnungsmarktes hinaus.
Autor: Heiko Erxleben
Tags:Häuser, Mieter, Umzug, Wohnungen

