Schuldenfalle
Die gefährlichsten Schuldenfallen
Steht der Gerichtsvollzieher erst einmal vor der Tür, dann ist es fast schon zu spät. Immer mehr Menschen in Deutschland haben Schulden. Wie solche Schulden entstehen, hat sehr oft die gleichen Ursachen. Hier einige der gefährlichsten Schuldenfallen:
Scheidung: Verliebte schweben auf Wolke Sieben und blicken durch eine rosarote Brille. Am Anfang einer Beziehung denkt niemand ans Ende. Ist dieses dann doch einmal da, wird es oft teuer. Durch die zusätzlichen finanziellen Belastungen kommt es dann beim Thema Geld häufig zum Streit. Entsteht ein Minus in der gemeinsamen Kasse stellt sich dann meist die Frage, wer dafür aufkommen muss.
- Schulden: Hat ein Ehepartner seine Schulden bereits mit in die Ehe gebracht, so haftet der andere Ehepartner dafür nicht mit. Haben beide gemeinsam einen Kauf-, Kredit- oder Ratenzahlungsvertrag unterschrieben, so haften schließlich auch beide Partner dafür.
- Bürgschaften: Wer für seinen Ehepartner eine Bürgschaft unterschreibt, bürgt auch noch nach der Scheidung dafür. Kann der oder die Ex plötzlich nicht mehr zahlen, so steht der Gläubiger vor der Tür des ehemaligen Partners. Eine Bürgschaft sollte deshalb nur nach gründlicher Beratung und Prüfung übernommen werden.
- Bankkonten: Hier muss man unterscheiden, zwischen einem gemeinsamen Konto und einem Einzelkonto, über das der andere aber auch mit verfügen darf. Bei einem Konto, dass nur auf einen Namen läuft, haftet der Inhaber selber. Wurde dem ehemaligen Partner einst eine Vollmacht erteilt, kann dieser weiter Geld vom Konto des anderen abheben, und der Kontoinhaber haftet dafür. Beim gemeinsamen Konto hingegen sind beide für die Schulden verantwortlich. Das heißt: Die Bank kann von jedem der Inhaber die Rückzahlung verlangen, egal wer das Geld abgehoben hat.
Konsum: Fehlendes Einkaufsgeld wird heutzutage schnell und unkompliziert durch einen Kredit ersetzt, das beginnt bereits beim Einkauf mit der Kreditkarte. Die Banken helfen ihren Kunden gern, wenn diese ihr Traumauto, eine Reise, eine neue Waschmaschine, eine Kaffeemaschine etc. kaufen möchten. Auch Warenhäuser vergeben immer unbürokratischer sogenannte Konsumentenkredite, teilweise sogar mit Null Prozent Zinsen. 3,1 Millionen Privathaushalte sind allein in Deutschland durch diese Art von Konsum in eine finanzielle Katastrophe geraten.
Nebenkosten: Die sogenannte „zweite Miete”. Ein Jahr und länger in einer superbilligen Mietwohnung gewohnt, dann kommt plötzlich der Hammer in Form der erste Nachberechnung der Nebenkosten. Einige Vermieter locken mit äußerst preiswerten Wohnangeboten, da sie die Nebenkosten absichtlich zu niedrig angegeben haben. Damit werden Mietinteressenten von einem günstigen Mietpreis geblendet. Viele Verbraucher müssen mehrere hundert Euro an den Vermieter nachzahlen, während die neuen höheren Vorauszahlungen bereits schon wieder fällig werden. Nicht selten wird das dann zur Schuldenfalle. Der Deutsche Mieterbund spricht davon, dass reelle Nebenkosten derzeit bei fast 2,50 Euro pro Quadratmeter liegen. Eine Variante ist es z.B., monatlich Geld für die nächste Nebenkostenabrechnung zur Seite zu legen und zu sparen. Kommt es soweit, dass der Vermieter die Wohnung kündigen will oder mit einer Räumungsklage droht, kann beim Sozialamt die Übernahme der Mietschulden nach § 34 des Sozialgesetzbuchs beantragt werden. Das Sozialamt kann dann die Übernahme als einmalige Beihilfe oder als Darlehen gewähren. Gleiches gilt auch für Stromlieferungen. Um Vollstreckungen und Liefersperren zu vermeiden, sollten auflaufende Mahnungen nicht ignoriert werden. Wenn es gar nicht anders geht, sollte eine Beratungsstelle aufgesucht werden.
Arbeitslosigkeit: Immobilien, Autos, Möbel, etc. werden häufig „auf Pump” gekauft. Die monatliche Rate ist über viele Jahre genau in den Haushaltsplan eingeplant. An eine drohende Arbeitslosigkeit wird oft nur selten gedacht. Tritt sie ein, dann droht im schlimmsten Fall die Zwangsversteigerung. Was tun? Ein Sofortkredit einer Bank verschafft schnelle Hilfe, birgt aber weitere Risiken. Schulden mit Schulden bezahlen – da gerät man leicht in einen Teufelskreis. Viele Banken gewähren auch zusätzlich einen hohen Dispositionsrahmen, diese Überziehung kostet allerdings bis zu 17 Prozent Zinsen! Hier ist eine Restschuldversicherung angebrachter, denn sie kann den finanziellen Ruin verhindern. Diese sogenannte Restschuldversicherung ist eine Absicherung des Kreditnehmers bzw. dessen Hinterbliebenen im Fall des Todes, Krankheit oder Arbeitslosigkeit.
Kredit: Mittlerweile ist bereits jeder zehnte deutsche Erwachsene verschuldet. Eine Ursache liegt in der Aufnahme von Krediten. Viele Kredite, z.B. für eine Eigentumswohnung, ein Haus etc., sind leicht zu bekommen, bei niedrigen Zinsen und auch ohne Sicherheiten, dass ist natürlich verlockend. Aber genau diese Kredite, mit ihren meist nicht aufgeführten Extrakosten, werden für viele schnell zur Schuldenfalle. Bereits bei zwei nicht gezahlten Raten droht die Kündigung des Kredits, mit zusätzlicher Schufa-Eintragung. Dies trifft besonders auf „Kleinverdiener” zu. Schnappt die Schuldenfalle zu, droht oft auch eine Privatinsolvenz.
Was ist bei einer drohenden Zahlungsunfähigkeit zu beachten? Beträge bis zum Existenzminimum darf der Schuldner – wenn er kein sonstiges Vermögen besitzt – behalten.
Für Schuldner ohne Unterhaltsverpflichtung beträgt der Freibetrag pro Monat 985,15 Euro. Für den ersten Unterhaltspflichtigen steigt er um 370,76 Euro. In einigen Fällen kann auch ein Vergleich eine Lösung sein. Hierzu wird eine außergerichtliche Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger herbeigeführt. Gläubiger können allerdings nicht dazu gezwungen werden, einem Vergleich zuzustimmen. Ist den Schulden auch damit nicht mehr beizukommen, hilft nur noch die private Insolvenz. Dabei muss der Schuldner sechs Jahre mit einem festgelegten Mindestsatz auskommen. Nach Ablauf dieser sogenannten „Wohlverhaltensphase” werden ihm die Schulden und Restschulden erlassen.
Laut Bundessozialhilfegesetz hat jeder einen Rechtsanspruch auf eine kostenlose Schuldnerberatung. Ein Schuldnerberater hilft, bei Vermittlungsgesprächen mit Gläubigern und Banken und versucht zusätzliche Einnahmequellen und Einsparpotenziale aufzudecken.
Autor: Heiko Erxleben
Tags:Geld, Haus, Kredit, Versicherung
