Schäden am Haus
Pilze zerstören Dächer
Reetdächer gehören in Norddeutschland wie das Salz zu Meer. Früher eine Art Arme-Leute-Dach, heute der Inbegriff ökologischen Bauens. Das Reet wird ohne chemische Behandlung als Baustoff verwendet und hat eine Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren. Doch in letzter Zeit klagen immer mehr Hauseigentümer darüber, dass ihnen ihre Dächer zerfallen.
Konrad Engemann, der Obermeister der Reetdachinnung in Mecklenburg-Vorpommern sagt dazu: „Es entstehen richtige Löcher im Dach, das Reet wird weich und zerfällt.” In der Universität Greifswald und dem Institut für Marine Biotechnologie haben Mikrobiologen die Schadensbilder näher untersucht und fanden dabei eine Vielzahl von Mikroorganismen, neben Algen und Moosen auch 91 Bakterien- und 68 Pilzstämme. Darunter auch holzabbauende Pilze, wie zum Beispiel auch so genannte Weißfäulepilze.
Nach Schätzungen zufolge sollen von den rund 50.000 Reetdächern in Deutschland bisher ungefähr 1000 davon betroffen sein. Warum sich diese Pilze seit nunmehr ungefähr 15 Jahren vermehrt auf Reetdächern ansiedeln, ist bisher noch ungeklärt. Eine mögliche Ursache dafür wären veränderte Umweltfaktoren. Auch handwerkliche und konstruktive Fehler beim Bau neuer Häuser schaffen günstige Bedingungen für das Wachstum des Pilzes. Das Rohr werde zum Beispiel vor dem Verarbeiten nicht mehr genügend getrocknet. Nun erwartet die Gesellschaft zur Qualitätssicherung Reet von den Experten und Mikrobiologen Handlungsempfehlungen für die Reetdachdeckerbetriebe.
Autor: Heiko Erxleben