Kredit gegen Seele
Kontora verlangt keine Sicherheiten – außer die Seele
Das lettische Kreditunternehmen Kontora mit Sitz in Riga bietet seinen Kunden zurzeit Kredite an und verlangt als Sicherheit dafür deren Seele. Das führt bei den Kirchen des baltischen Staates zu scharfen Protesten.
Kardinal Janis Pujats, das Oberhaupt der katholischen Landeskirche, vermutet hinter diesem Angebot „Satanisten und nicht nur zynische Geldverleiher” und verlangte zusammen mit seinen russisch-othodoxen und lutheranischen Kollegen eine förmliche Untersuchung durch das Innenministerium.
Seit Mai 2009 werden allen Bürgern, die knapp bei Kasse sind, Kredite angeboten. Es handelt sich dabei um Kredite zwischen umgerechnet 70 und 700 Euro, zu einem Jahreszins von satten 365 Prozent. Sicherheiten werden dafür nicht verlangt, lediglich muss der Antragsteller seine Seele verpfänden, Name und Anschrift angeben und unterschreiben.
Ein Mitarbeiter von Kontora verteidigte gegenüber der russischsprachigen Lokalzeituntg „Westi Segodna” das Angebot: „Das ist nur fair. Jeder, dem seine Seele teuer ist, wird sich bemühen das Geld zurückzuzahlen”.
Viktor Miroshenko, der Leiter von Kontora, kann in seinem Geschäftsmodell keine Probleme erkennen: “Wenn man das Geld nicht zurückgibt, was soll schon passieren? Das einzige was geschieht ist, dass man seine Seele verliert.”
Beim Konsumentenschutz in Riga sind bisher keine Beschwerden eingegangen, dieser sieht das neue Modell aber trotzdem “von einem humanistischen Standpunkt aus mehr als seltsam”.
Seit diesem Projektstart wurden schon mehr als 200 Kredite vergeben, ob das nun gerade an diesem unmoralischen Angebot liegt, bleibt zunächst unklar.
Lettland wurde durch die internationale Finanzkrise besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen, der Wirtschaft Lettlands wird dieses Jahr ein Rückgang um 18 Prozent prophezeit.
Autor: Heiko Erxleben